Orchestergeschichte

Das 1968 als Landesjugendorchester der Freien und Hansestadt Hamburg gegründete Hamburger Jugendorchester (LJO), ist eines der ältesten Landesjugendorchester der Bundesrepublik.

In den 60er Jahren existierten nur einige Schul- und Musikschulorchester. Vor diesem Hintergrund ergriff das Amt für Jugend die Initiative, für die musikinteressierten Jugendlichen ein Sinfonieorchester ins Leben zu rufen, das darüber hinaus eine musikalische Herausforderung für die Jugendlichen darstellen sollte. Ein erster Orchesterkurs fand statt im Jahre 1966, scheiterte jedoch an der Literatur, die die spieltechnischen Möglichkeiten der Jugendlichen überschritt. Auch der Dirigenten hatte hinsichtlich der Probenarbeit mit Laien oder angehenden Profis keine Erfahrung.

Für die teilnehmenden Jugendlichen wurden diese Erfahrungen zum Anstoß darüber nachzudenken, wie sie sich ein sinfonisches Orchester vorstellten: wöchentliche Proben und die Festlegung der Programme und des Dirigenten durch die Orchestermitglieder waren die Hauptpunkte. Die Jugendlichen wünschten, die Organisation des Orchesters selbst in den Händen zu haben und wandten sich mit diesen Vorstellungen an das Amt für Jugend. Die Behörde begrüßte die Ideen der Jugendlichen, neben der künstlerisch anspruchsvollen Ausbildung einen Schwerpunkt auf den jungendpflegerischen Aspekt dieser Gemeinschaft zu legen, in Form der Selbstverwaltung.


Mit der Vision eines sich selbst verwaltenden Jugendorchesters wurde im Jahre 1968 das HJO als Landesjugendorchester gegründet. Das Amt für Jugend stellte die finanziellen Mittel zur Verfügung und erarbeitete gemeinsam mit den Jugendlichen die Struktur des Orchesters; die erste Geschäftsordnung wurde 1970 verabschiedet.

Ein selbstverwaltetes Orchester war ein Novum in der deutschen Orchesterlandschaft. Ein vom Orchester gewählter Vorstand sollte für alle Belange zuständig sein. Nachdem die ersten Rahmenbedingungen geschaffen waren, zeigte erst die kontinuierliche Arbeit, welche Aufgaben für das Orchester lebensnotwendig sind. Dem Bedarf entsprechend wurden an die einzelnen Vorstandsämter bestimmte Aufgabenfelder geknüpft.

Erster Dirigent des Hamburger Jugendorchesters war der an der Musikhochschule studierende Herbert Bruhn, der mit Matthias Rieger das „Altonaer Kammerorchester“ gegründet hatte; sie waren zusammen mit den Mitgliedern ihres Orchesters maßgeblich an der Gründung des HJO beteiligt.

Herbert Bruhn gehörte der Dirigierklasse von Professor Wilhelm Brückner-Rüggeberg an, der als Mentor für das junge Orchester gewonnen werden konnte. In dieser Eigenschaft beriet er das Jugendorchester bei der Neuwahl der Dirigenten und führte gelegentlich den Taktstock.


1983 wechselte die Trägerschaft vom Amt für Jugend zur Kulturbehörde. Im Laufe der Jahre stieg die Zahl der Mitglieder auf derzeit etwa 80 junge Musiker. Für die Probenarbeit entwickelte sich eine regelmäßige Betreuung durch erfahrene Musiker der Berufsorchester. Zusätzlich zur regulären Probenarbeit, der Einstudierung dreier Sinfonieprogramme jährlich, organisieren die Jugendlichen Kammermusikprojekte und Konzertreisen.

Mit zunehmendem Niveau der musikalischen Vorbildung und den instrumentalen Fähigkeiten der Jugendlichen, ihrem wachsenden musikalischen Anspruch, widergespiegelt in Wahl und Präsentation der Konzertprogramme, etablierte sich das Hamburger Jugendorchester im Hamburger Musikleben; es folgten gemeinsame Projekte mit Chören und der Hamburger Musikhochschule. Das Orchester spielte bei Messe- und Kongreßeröffnungen, war zwischen 1989 und 1995 eingeladen, neben renommierten Profiorchestern beim Hamburger Musikfest aufzutreten und gastierte als Repräsentant der Stadt bei den Hamburger-Tagen in Danzig, Marseille und Prag.

Trotz der für Jugendorchester üblichen hohen Fluktuation und den gesteigerten Anforderungen, in musikalischer wie in organisatorischer Hinsicht, hat die demokratische Struktur bis heute Bestand; lediglich die Zahl der Ämter und ihre Profile ändern sich den wachsenden Aufgaben des Orchesters und dem Anspruch der Jugendlichen entsprechend.

Im Jahr 2005 benannte sich das Orchester in „Landesjugendorchester Hamburg“ um.